Waldbrand in Kroatien – oder: „Mittendrin statt nur dabei“?

Lange, sehr lange ist es hier ruhig gewesen. Oder um ehrlich zu sein, gar nichts ist hier passiert!

Jetzt allerdings möchte ich Euch noch mal an einem aktuellen Erlebnis teilhaben lassen. Wer mir bei Twitter folgt, oder bei Facebook mit mir befreundet ist, wird es gemerkt haben: wir waren mal wieder in Kroatien!
Und wieder hatten wir dort eine tolle Zeit! Einzige, kleine Ausnahme bildete der Morgen des 12. August. Von meiner besseren Hälfte wurde ich kurz vor sechs mit den Worten geweckt: „Es brennt, Du musst aufstehen!“
Erster Gedanke: der Brüllwürfel (auch bekannt als Funkmeldeempfänger) hat sich nicht gemeldet, folglich kann es auch nicht brennen. Erst im nächsten Moment realisierte ich, dass ich im Urlaub bin und der Melder 1.500 km entfernt liegt. Vermutlich würde es also im oder am Haus brennen. Also besser mal aus den Federn und „erkunden“.

Um das Haus herum war es schon deutlich verraucht, ein großer Feuerschein war sichtbar, alle Nachbarn waren auf den Beinen. Laute, hektische Rufe waren zu hören. Waldbrand!
Hatte das Feuer schon auf die Bebauung übergegriffen? Ich konnte das von unserer Position aus nicht wirlich beurteilen. Allerdings wirkte das Szenario sehr bedrohlich!
Zudem merkte ich sofort, dass Bora war, also starker ablandiger Wind der das Feuer und den Rauch in unsere Richtung drückte.
Zu diesem Zeitpunkt war auch der Strom im ganzen Ort bereits abgeschaltet worden.

Da ich die Lage nicht abschließend beurteilen konnte, haben wir uns zunächst dazu entschieden, das Wichtigste zusammenzupacken, um so zumindest kurzfristig abhauen zu können, sollte es denn erforderlich werden. Am benachbarten Camping-Platz hatten schon mehrere Urlauber fluchtartig das Gelände verlassen (sie waren auch später nicht mehr gesehen).

Gerade als wir nach dem Packen wieder aus dem Haus kamen, verbreitete unsere Gastgeberin die Info, dass die Canadair (CL-415) im Anflug wären. Dies war wohl vorher aufgrund der Lichtverhältnisse noch nicht möglich. Wie wir nämlich später erfahren haben, brannte das Feuer schon seit mindestens 04:30 Uhr.

Wenige Minuten später erschien die erste Canadair über den Bergen aus Richtung Zadar, drehte eine Runde über das Schadensgebiet und flog dann auf das Meer hinaus zum Tanken.
Direkt über unseren Köpfen flog sie dann wieder Richtung Feuer um ca. 200 Meter von unserer Position entfernt mit dem Abwurf der ersten Ladung zu beginnnen.
Kurz darauf folgte eine zweite CL-415 und ein paar Minuten später noch zwei weitere, kleinere Maschinen (der Typ ist mir leider nicht bekannt).

Schon nach wenigen Abwürfen durch die Canadair wurden Rauchentwicklung und Feuerschein deutlich schwächer, so dass ich davon ausgegangen bin, dass das Feuer unter Kontrolle ist. Insgesamt aber dauerten die Flüge der vier Maschinen rund anderthalb Stunden. Zum Schluss waren nur noch die beiden kleineren Maschinen im Einsatz.
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Meer lag bei einer Maschine zwischen zwei Abwürfen höchstens zwei Minuten.

Zeit also für uns, erst mal einen mit Gas gekochten Kaffee zu trinken (Danke Milica!).

Später bin ich dann mal Richtung Brandstelle. Das Feuer wurde wirklich nur wenige Meter vor der Bebauung gestoppt. Ich vermute, ohne den Einsatz der Canadair wäre das hier böse ausgegangen.
An vielen Autos die näher am Feuer waren, waren die Salzwasser-Duschen deutlich sichtbar. Aber auch bei uns hatte das Feuer seine Spuren hinterlassen. Eine deutliche Asche-Schicht hatte sich über alles gelegt.

Letztlich gab es für uns die Erkenntnis, dass für uns zu keiner Zeit wirklich Gefahr bestanden hat. Zwischen uns und dem Feuer lagen noch gute 250 Meter die teilweise dicht bebaut sind.

Gegen 09:00 Uhr war dann auch der Strom wieder da, so dass wir unseren Urlaub uneingeschränkt fortsetzen konnten. Letztlich also Gott sei Dank doch nur dabei, statt mittendrin!

Wer noch mehr Bilder von dem Morgen in Srima sehen möchte, findet diese hier.